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Design-Ausbildung 2/3
29. Januar 1998

Fritz Frenkler: „Ein qualitativ gutes Design kann man nicht mit Demokratie durchsetzen“

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© Thomas Mayer

Wilkahn-Designer Fritz Frenkler kritisiert die deutsche Design-Ausbildung.

Von Joachim Schirrmacher

Die Designausbildung muß sich radikal ändern, meinen Studierende der Fachhochschule Köln und veranstalteten anläßlich der Internationalen Möbelmesse eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Design morgen – Lehre oder Leere“. Das Podium stellte das Design und dessen Lehre gründlich in Frage. „Was muß ein Designer können“, fragten die Studierenden vorab elf Praktiker aus Design und Wirtschaft per Video. Ihre Statements waren die Basis der Kölner Diskussion.

Das Resümee aus den Aussagen – unter anderem antworteten Erik Spiekermann (Metadesign, Berlin), Patricia Poelk (Premiere) und Tim Grennhalgb (Fitch, London): Die wesentlichen Eigenschaften eines Designers sind nicht lernbar. Die Studierenden fordern eine stärkere internationale, interdisziplinäre und wissenschaftliche Ausrichtung des Studiums. Dafür wünschen sie 30 Prozent ausländische Kommilitonen an deutschen Hochschulen, einen 30prozentigen Auslandsanteil EG-weit im Studium als Regel, Projektstrukturen bei den anderen Fakultäten und einen akademischen Mittelbau, um zum Beispiel durch Promotionen eine dringend notwendige Forschung im Design zu ermöglichen.

Horizont sprach mit dem Industrial Designer Fritz Frenkler, der in Köln mit provokanten Thesen die Diskussion belebte, über die Design- Ausbildung. Frenkler ist President von Wiege, Wilkahn Entwicklungs GmbH, Vorstandsmitglied Deutscher Werkbund, Executive Board Member vom International Council of Societies of Industrial Design und Vorstandsmitglied vom Industrie- Forum Design Hannover. Zuvor hat Frenkler Karriere bei Frogdesign in Deutschland und Japan gemacht.

Design ist Diktatur, sagten Sie in Köln, was Ihnen prompte Kritik von Prof. Dr. Uta Brandes einbrachte …

Fritz Frenkler: … die nie Design gemacht hat. Ein qualitativ gutes Design kann man nicht mit Demokratie durchsetzen. Meine Erfahrung ist, daß man als starke Persönlichkeit sich über viele Menschen, die versuchen, da reinzuregieren, hinwegsetzen muß. Frogdesign hat bei dem Apple-Auftrag beispielsweise darauf gedrungen, daß einige Designer bei Apple entlassen werden, um nicht das Querfeuer aus der Designabteilung zu haben.

Was muß ein Designer können?

Er muß ein Gespür und Wissen haben, sich in die Unternehmen hineinzudenken. Verschiedene Unternehmen brauchen verschiedene Designs und nicht ein Design wie bei Philippe Starck. Er muß auch eine gewisse Zähigkeit gegenüber sich selber haben, sich in Frage stellen und zur Not mal von vorne anfangen können.

Kann man das an den Hochschulen lernen – und lehren?

Es fragt sich, ob man Design in dem Sinne studieren kann. Man muß sicher die Computer- und Modellbautechniken lernen, weil das unsere Sprache ist. Ästhetische Harmonie und Proportionen kann man aber nicht lernen. Hartmut Esslinger zum Beispel hat nicht Design fertigstudiert. Er war unter anderem ein hervorragendes Talent im Entwickeln von Proportionen.

Was muß sich an der Hochschulausbildung ändern?

Die Professoren müssen von den sicheren Posten weg. Aber um Design zu lehren, muß man auch Design praktiziert haben, um zu wissen, welche Theorie ist die richtige. Natürlich ist zum Beispiel Design-Geschichte oder – Theorie notwendig, um einen Background zu haben. Wir haben zu viele Designer und viel zu viele Design-Professoren. Darunter leidet die Qualität, weil jeder versucht, in seiner Hochschule die Kopfzahl zu erreichen, um die Gelder zu kriegen, anstatt ein Elitestudium zu machen.

Also müssen die Zugangsvoraussetzungen verschärft werden?

Natürlich. Nur der Starke überlebt. Es hat keinen Sinn, Menschen auszubilden, die dann diesen Beruf nicht praktizieren können, weil sie den Marktanforderungen nicht standhalten.

Wie wichtig ist ein interdisziplinäres Studium?

Es ist sicher Voraussetzung, um überleben zu können. Gerd Hildebrandt sagt, ein Designer muß viel gereist sein, was das gleiche meint.

Haben Sie Kontakt zu Studierenden?

Ich habe seit Jahren aus Prinzip immer zwei Praktikanten hier. Ein Projekt für den Flughafen Berlin habe ich mit der Hochschule in Hannover gemacht.

Sind Ihre Praktikanten interdisziplinär ausgebildet?

Insofern, als die meisten zuvor etwas gelernt haben, Schmied oder Tischler, oder aber zum Beispiel in London gearbeitet haben.

Betrachten Sie Design als Annex oder als konstitutives Element?

Auf keinen Fall als Annex, sondern als ganz entscheidenden Beruf für die Zukunft, als eigene Disziplin. Wenn es keine eigene Disziplin ist, wird man nicht bezahlt. Wenn man nicht bezahlt wird, ist man nicht existent und kann nicht überleben.

Welche Erfahrungen haben Sie als President of Frogdesign Asia mit der Hochschulausbildung in Japan gemacht? Geht es dort praxisorientierter zu?

Die Japaner können jeden Radius eines Braun Calculator auswendig, weil sie den zwanzigmal abzeichnen mußten, das ist schon eingeschränkter als bei uns.

Haben wir, verglichen mit den Japanern, Ihrer Meinung nach die bessere Designausbildung?

Soweit ich es beurteilen kann, ja.

Ist unsere Ausbildung denn international genügend?

Abgesehen von den Sprachen glaube ich schon, daß man sie als international bezeichnen kann. Aber es wäre gut, wenn man zum Beispiel Präsentationen in Englisch machen müßte. Bei Frogdesign hat Hartmut Esslinger den Englischunterricht finanziert. Wir mußten da hingehen, um internationaler agieren zu können.

Brauchen Sie Handwerker oder Strategen?

Ich brauche einen, der strategisch denkt, und einen, der das handwerklich umsetzen kann, komischerweise geht das meistens nicht in einer Person.

Die Verlage finanzieren Journalistenschulen, die Medienhochschule in Köln wird stark von den privaten Fernsehanstalten unterstützt. Welchen Beitrag können die Unternehmen zur Design-Ausbildung leisten?

Wenn die Industrie erkennen würde, daß Design zum Überleben notwendig ist, hätten sie mehr Interesse, die Ausbildung zu fördern.

Welchen Beitrag können die Design-Büros leisten?

Abgesehen von der Beschäftigung mit den Praktikanten, halte ich Vorträge in Universitäten. Ich war in Köln auf dem Podium statt auf der Messe und habe versucht, eine Diskussion mitzuführen, die ins Politische abgerutscht ist. Ich fand es schade, daß die Professoren aus dem Plenum meinten, sich so hervortun zu müssen. Die Studenten hätten sehr viel mehr losreißen können und dabei manches ähnlich formuliert. Studenten haben das Problem, daß kein Geld vorhanden ist, die Professoren bekommen ihre Gehälter sicher.

„Wir haben zu viele Designer und viel zu viele Design- Professoren. Darunter leidet die Qualität“ Fritz Frenkler

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Horizont, 29. Januar 1998
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