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10 Jahre Bread & Butter
5. Juli 2011

Die Bread & Butter ist zur wichtigsten Leitmesse für Street- und Urbanwear geworden. Das hat gute Gründe

Von Joachim Schirrmacher

„In den letzten zehn Jahren ging es immer ums Überleben, darum, wie schaffen wir die nächste Saison“, sagt Bread-&-Butter-Chef Karl-Heinz Müller. Tempi passati. Die Bread & Butter ist mit der Rückkehr 2009 nach Berlin zur wichtigsten internationalen Leitmesse im Segment „Street- und Urbanwear“ geworden. Sie hat die Modebranche in ihrer Größe und Macht zusammengeführt. Alle Diskussionen über Messestandorte sind verstummt. Berlin ist heute einer der wichtigsten Termine im Kalender der Einkäufer, „weil hier das Bild einer neuen Zeit sichtbar und spürbar ist. Die Bread & Butter gibt dem ein starkes kommerzielles Fundament, etwas, was so weder in Paris noch in Mailand vorhanden ist“, sagt die Modeexpertin Elke Giese. Allerdings betrachten deutsche Medien wie der „Spiegel“ die Modestadt Berlin deutlich skeptischer als internationale.

Weltweit Standards gesetzt

Müller hat mit der Bread & Butter das Messegeschäft neu erfunden und weltweit Standards gesetzt. Dies geschah in einer Zeit der Globalisierung, in der sich auch die Branche radikal veränderte. Dabei profitierte er vom Wandel der Jeans vom billigen Basis-Produkt zum hoch bezahlten Modeartikel. Die Modewelt dankte Müller seine Pionierrolle bislang mit beinahe blindem Gehorsam. Auch weil so mancher froh war, dass der Hype um die Bread & Butter von den eigenen Schwächen ablenkte.

Vom Satelliten zum Zentrum

Die Messe wurde in zehn Jahren vom Satelliten zum Zentrum. Aus einem Freundeskreis wurde ein Unternehmen mit über 100 Mitarbeitern, dessen Umsatz die „Wirtschaftswoche“ auf 40 Millionen Euro schätzt. Außerdem ist die Bread & Butter ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Imageträger. Nach einer Studie der Stadt Barcelona hat jede Bread & Butter dort 100 Millionen Umsatz in die Stadt gebracht, also 200 Millionen Euro im Jahr. Hinzu kommen Arbeitsplätze bei Dienstleistern. Und Müller rechnet damit, dass in den nächsten fünf Jahren Modeunternehmen hier ihre Zentrale mit Design, Kommunikation und Verkauf ansiedeln, so wie die italienischen Unternehmen ihre Produktion auf dem Land haben, den Kopf aber in Mailand.

Der Wahnsinn gehört zum Erfolgsgeheimnis

All dies haben die Macher der Bread & Butter – und ähnlich auch der Premium – ohne öffentliche Gelder geschultert, was in dieser Größenordnung international einmalig ist. Dabei erscheint vieles im Rückblick fast als Wahnsinn: die Idee, jede Saison in eine andere Stadt zu gehen. Für jede Messe mit tausend Mitarbeitern nach Barcelona zu ziehen. In einem Land mit der international besten Messe-Infrastruktur den ehemaligen Flughafen Tempelhof zu nutzen. Doch der Wahnsinn gehört zum Erfolgsgeheimnis. Die Branche will aufschauen. Es muss immer wieder eine Steigerung her.

Bewundert, hofiert und angefeindet

Müller wird dafür bewundert, hofiert und angefeindet. Doch verändert hat ihn das in den letzten 15 Jahren kaum. Er sagt immer noch, was er will, statt zu schwätzen. Nur in seinen Formulierungen ist er vorsichtiger geworden. Was kommt? Er weiß es selbst nicht. Er beobachtet, hört zu, hat hunderte Ideen, und wenn er eine Möglichkeit zur Realisierung sieht, packt er zu. Ein Mietvertrag mit der Option bis 2029 gibt ihm Sicherheit; Müller wird dann 72 sein.

Veröffentlicht
Die Wahnsinns-Idee, Der Tagesspiegel, 5. Juli 2011, Seite 33

 

Kategorie: - Berlin Fashion Week, Messen, Mode, Uncategorized, Unternehmen - Kommentare(0)
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