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Ausstellung: Haus am Waldsee, Berlin
4. April 2014

Die Bildern voll Ruhe und Eleganz helfen allzu bekannten Gebäude neu zu sehen.

Bild 1 von 1

Ola Kolehmainen, Untitled (No. 6), 2005, © Ola Kolehmainen, Courtesy: Gallery TaiK


Zumeist versprechen Bilder heute mehr als die Realität bieten kann. In der Ausstellung „Geometric Light“ des Fotografen Ola Kolehmainen ist es umgekehrt. Sie lässt sich in ihren Dimensionen und im Kontext erleben, aber kaum im Bild einfangen. Neben Kolehmainens drei Werkgruppen trägt wesentlich die Farbinstallation der Architekten Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton zur herausragenden Ausstellung bei. 

Den finnischen Fotokünstler Ola Kolehmainen lernte ich im Sommer 2012 in Helsinki kennen (obwohl er seit 2005 in Berlin lebt). Er begleitete seine Frau Mirkku Kullberg, Geschäftsführerin von Artek, zu unserem Frühstück. Noch am Abend präsentierte er seine Arbeiten bei einem Essen in dem wunderbaren aber winzigen Restaurant Kuurna von Antto Melasniemi.

Kolehmainen fotografiert Bauwerke der europäischen Moderne. Zunächst von Alvar Aalto, dann „überwand er den Nationalismus“, wie er auf der Presskonferenz sagte, und beschäftigte sich mit Mies van der Rohe, Frank Gehry, Sauerbruch Hutton oder Herzog de Meuron. Kolehmainen hat einen anderen Blick als zum Beispiel Andreas Gursky oder Thomas Ruff. Seine Bilder, oft  Spiegelungen auf deren Fassadenoberflächen, sind Vereinfachungen, poetische „Extraktionen“ der Architektur zu Farben, Strukturen und Formen.

Ich schätze die Bildern voll Ruhe und Eleganz von Ola Kolehmainen sehr, auch weil mir seine Verfremdung hilft die teils allzu bekannten Gebäude neu zu sehen und so wieder wert zu schätzen.

Vor einem Jahr stellte ich Dr. Katja Blomberg, Direktorin des „Haus am Waldsee – Internationale Gegenwartskunst in Berlin“ Ola Kolehmainen vor. Sie lud ihm zu seiner ersten institutionelle Einzelausstellung in Berlin ein. Ein glücklicher Zeitpunkt, denn in diesem Jahr entstand zur Werkgruppe der „Extraktionen“, in Spanien die Serie „Geometric Light“ in dem er  dem Spiel aus Licht und Schatten von Fensterlicht folgt, dass sich trifft, kreuzt, reflektiert und auflöst. Und im Winter 2013/14 fotografierte Kolehmainen in Istanbul in der „Hagia Sophia“ und Moscheen. Es sind Bilder die das „Erzählerische feiern“, so Blomberg. Auch dieses Ineinandergreifen von Ausstellungskonzeption und dem Entstehen des Neuen macht diese Schau so intensiv.

Die Fotografien wirken auf den ersten schnellen Blick wie abstrakte Gemälde oder alte Gobelins, wären da nicht Irritationen, wie ein Baum im Bild oder die Spiegelung des Raums und der von außen einstrahlenden Natur. Nur allmählich wird klar, dass es Fotografien von Bauten sind.

Fast überwältigend wird die Ausstellung durch die feinfühlige Farbinstallation der Architekten Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton. Berühmt für ihren Umgang mit Farbe in ihren Bauten, haben sie hier erstmals eine Installation realisiert.

Die genau auf die Bilder und die Architektur des Hauses abgestimmten, konstruktivistisch erscheinenden Farbsymphonie spielt ebenfalls mit unserer Wahrnehmung. Was weiß ist, erscheint bläulich. Die Farbhintergründe verstärken Aussagen der Bilder oder schaffen einen Kontrapunkt, damit all die Schönheit nicht dekorativ wird. Die Ausstellung wirkt so vom ersten Blick an intensiv auf den Besucher ohne jede Theorie oder Hintergrundinformationen. Und doch kann wer will Bild für Bild tiefer einsteigen.

Während die neuen Arbeiten im Erdgeschoss inszeniert gezeigt werden, sind im Obergeschoss ältere Arbeiten in klassisch weiß gestrichenen Räumen zu sehen, was die unteren Räume umso mehr strahlen lässt.

Ich schätze am Haus am Waldsee, neben der Qualität seiner Arbeit, dass die Konzentration die es im überbordenden Berlin ermöglicht. Denn es braucht ein wenig Zeit um durch Zehlendorf hinaus an den nahen Schlachtensee oder die Krumme Lanke zu fahren. Schon auf der Fahrt genieße ich die Bauten Bruno Tauts und die Villen von Ludwig Mies van der Rohe, Walter Gropius oder Hermann Muthesius in der Nachbarschaft, die gerade zu dieser Ausstellung einen herausragenden Kontext bieten (das Haus am Waldsee bietet zwei entsprechende Audiotouren an).

Einmal hier, nehmen sich die Besucher Zeit und springen nicht schon wieder, kaum da, zum nächsten Event, zur nächsten Schau. Stattdessen gehen sie in den hauseigenen Park am See oder ins Café.

Verstärkt wird die Begegnung mit der Kunst durch das umfangreiches Rahmenprogramm „Kunst im Dialog“. Direkt in der Ausstellung finden alle zwei Wochen Kunstgespräche statt aber auch Yoga (ab 5. April), ein Gespräch (6. Mai) und Essen (13. Mai) mit Ola Kolehmainen, Konzert (12. Mai) oder ein Vortrag von Sauerbruch Hutton über Farbe in der Architektur (15. Mai). So wirkt die Ausstellung immer wieder neu auf Einen, entstehen Gespräche und Beziehungen. Hier im Haus am Waldsee passiert also jenes, was sich so viele von einem Berliner Salon erhoffen. Ein zeitgemäßer Gegenpol zu unserem virtuellen Leben.

 

 

Ola Kolehmainen – Geometric Light
5. April bis 17. Mai 2014
Haus am Waldsee
Argentinische Allee 30
14163 Berlin
U3 – Krumme Lanke

Im Anschluss wird die Ausstellung in der Londoner PM Gallery and House zu sehen sein.

 

 

Kategorie: - Ausstellung, Architektur, Creative Consulting, Kunst - Kommentare(0)
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