.................
.................
.................
.................
Severins Resort und Spa, Keitum/Sylt
19. Oktober 2015

Das Schlafzimmer in einem der Apartments.

Sylt ist bekanntlich Deutschlands teuerster Grund und Boden. Jeder Quadratzentimeter ist umkämpft, allein der Abriss einer Veranda braucht vier Jahre bis zur Genehmigung. Zelten im Garten von Freunden? Undenkbar. Das neue „Severins Resort und Spa“ ist vor diesem Hintergrund ein Husarenstück. Es teilt Sylt in Freunde und Feinde.

Das Severins liegt direkt am Wattenmeer, einem Unesco-Weltnaturerbe. Das 30.000 qm Grundstück – bis 1925 Ruhesitz eines Kapitäns und dann bis 1996 Kindererholungsheim der Stadt Mühlheim – ist vom Watt nur durch eine kleine Straße getrennt. Es ist mit rund 90 Zimmern und Apartments eine der größten Anlagen Sylts. Das Severins liegt am Ortsrand von Keitum, dem einstigen Hauptort der Insel mit vielen Bäumen und alten Friesenhäusern (sowie dem neuen Bistro von Johannes King). Das Haus bietet somit Ruhe als auch kurze Wege zum Weststrand, zum Flug- und Golfplatz, ins mondäne Kampen (Cafe Kupferkanne), in die grüne Marsch oder zum Morsumer Kliff. Geschaffen wurde das Severins seit 2005 von dem bis dato weitgehend unbekannten Bremer Unternehmer Kurt Zech, der sein Vermögen mit Bau, Immobilien und Hotels machte.
Kleiner Haken: Das Severins liegt in der Einflugschneise zum Flughafen und leider gibt es vom Hotel keinen Blick aufs Watt. Und die Keitumer Kirchengemeinde St. Severin ist über die nicht abgesprochene Namenswahl „not amused“.

Alles ist gediegen und von hoher Qualität
Das Haus ist weitaus besser als es die eignen Marketing-Plattitüden der Webseite vermuten lassen. Es bietet alles, was von einem Resort der Spitzenklasse erwartet wird. Vor allem ist es von Kurt Zech und seinen Erfahrungen geprägt. Alles ist gediegen und von hoher Qualität, dabei aber ausgesprochen kinder- und hundefreundlich. Eingerichtet wurde nach Geschmack, nicht nach Geld. Angedeutet werden Investitionen von etwa 70 Millionen Euro. Das sieht und fühlt man allerorten: feinste Natursteine, offenporige Eiche, hochwertige Leinenstoffe, maßgefertige Strandkörbe, 2,20 Meter lange Betten, die Strandtasche mit Hamamtuch. Die 90 Zimmer und Apartments (40 bis 200 qm) sind gemütlich und großzügig (Nespresso, Tee, freie Minibar, freies W-Lan), haben gute Bäder, aber keine Klimaanlage. Die Deluxe Kategorie würde anderswo als Juniorsuite gelten. Besonders empfehlenswert sind die Zimmer im Erdgeschoß mit Terrasse zum Garten. Die Maisonette-Suiten haben hingegen eine recht steile Treppe in das spitze Reetdach. Das Spa (7.30 – 22.00 Uhr) hat neben fünf Saunen und einem 16 x 19 Meter großem Pool unter einem Glasdach, auch großzügige Ruheräume und Wandelfächen. Statt mit modischem „Design“ um Aufmerksamkeit zu buhlen, wurden Räume zum Sichwohlfühlen geschaffen. Dem Vernehmen nach will Zech erweitern und sich weiter auf Sylt engagieren.

Es ist schwierig die Preise mit Leistung zu verbinden
Verbesserungspotential gibt es bei dem zu kühlen LED-Licht, dem kargen Garten und der Gastronomie (das Schnitzel am Abend überzeugte nicht). Auch steht der Direktor vor der Hausforderung nicht nur Manager zu sein, sondern das Haus mit Persönlichkeit und als gewinnender Gastgeber zu prägen. So fehlt dem Haus noch eine ganze Prise Norddeutscher Charakter. Wirkliche Kritik gibt es nur an den Preisen. Es ist schwierig sie mit Leistung zu verbinden. Wenn, muss alles perfekt sein und Emotionen wecken. Das Preisniveau hat sich auf Sylt seit 2009 durch Neueröffnungen wie dem Budersand in Hörnum (Wella-Erbin Claudia Ebert), dem Arosa in List, aber auch dem Resort Weissenhaus an der Ostsee hochgeschaukelt. Das Severin will laut Zech das teuerste Hotel und „das Beste auf Sylt sein“. Zur Hauptsaison kostet das günstigste Zimmer 380 Euro, Suiten bis 1.100 Euro pro Tag. Dem Normalbürger stockt der Atem, er gibt im Durchschnitt 1.066 Euro für seinen Urlaub aus. Im Jahr.

Severins Resort & Spa
Doppelzimmer 380 Euro, Suiten bis 1.100 Euro (Hauptsaison)
Adresse: Am Tipkenhoog 18, 25980 Keitum/Sylt, Deutschland
Restaurants: „Tipken’s“ (international) und „Hoog“ (traditionell)
Telefon: +49 4651 4660
www.severins-sylt.de

Veröffentlicht
Zuerst erscheinen in gekürzter Form: NZZ am Sonntag, 18. Oktober 2015, Seite 22

 

 

 

Die Zimmer sind wertig eingerichtet und mindestens 40 qm groß.

Kategorie: - Hotels, Reisen - Kommentare(0)
.................

Noch keine Kommentare.

Kommentar

Doppelpunkt